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Rosa Beilage 1/2015  • Behandlungsleitlinien - Aktuelles

Mitarbeit an der Entwicklung von Leitlinien

11. Februar 2015
 

Die DGVT war und ist an der Erarbeitung von mehreren Leitlinien (LL) beteiligt. Viele Leitlinien sind bereits abgeschlossen und veröffentlicht:

  • Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen (Olivier Elmer)
  • Leitlinie „Zwangsstörungen“ (Armin Kuhr)
  • Leitlinie Psychoonkologie (Friederike Schulze)
  • Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen (Heinz Liebeck)
  • Leitlinie zu psychischen Störungen im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter (S2K) der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, bei  der die DGVT von Michael Borg-Laufs vertreten war.
  • Leitlinie „Depersonalisations-Derealisationssyndrom – Diagnostik und Behandlung“ (S2k) (Thomas Heidenreich)

Rudi Merod vertritt uns außerdem noch bei weiteren Leitlinien im Kinder- und Jugendlichenbereich, die sich in unterschiedlichen Phasen der Fertigstellung befinden.

Problematisch ist, dass die Daten- und Studienlage im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie schwach ist und die Studien meist kein hohes Evidenzniveau haben. Hinzu kommt, dass keine evidenzbasierten Aussagen für Kinder unter acht Jahren gemacht werden können, da es für diese Altersgruppe keine angemessenen Studien gibt. Dieses Problem betrifft alle Leitlinien im Kinder- und Jugendlichenbereich. Hier kann die Forderung nur sein: Möglichst viele Studien bis zur Überarbeitung der Leitlinie in die Wege leiten! Grundsätzlich gilt, dass die S3-Leitlinien eine Gültigkeit von maximal fünf Jahren nach Veröffentlichung haben, so dass eine Überarbeitung regelmäßig erfolgen muss. Natürlich gibt es immer auch die Möglichkeit, die bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) veröffentlichten Leitlinien zu kommentieren. Diese Kommentare werden bei der nächsten Überarbeitung berücksichtigt. Leider wird bisher von dieser Möglichkeit noch zu wenig Gebrauch gemacht.

Am weitesten ist die Entwicklung der Leitlinie „Depression bei Kindern und Jugendlichen“. Diese ist konsentiert, aber leider noch nicht auf der AWMF-Homepage veröffentlicht. Die Gründe für diese Verzögerung liegen darin, dass einige (vor allem ärztliche) Vertreter mit den Formulierungen der Texte noch unzufrieden sind, aber auch keine eigenständigen Formulierungen vorlegen. Es scheint sich um eine gezielte Verzögerungstaktik zu handeln, um ständische Interessen zu vertreten.

Bei der Leitlinie mit dem Titel „Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen“ hat sich die Gruppe in Untergruppen aufgeteilt, um die beiden Teilbereiche „Suizidalität“ und „nicht-suizidale Selbstverletzungen“ zu bearbeiten. Aufgabe der Untergruppen ist es, sich mit den entsprechenden Forschungsberichten auseinander zu setzen und sie methodisch zu bewerten. Diese Aufgabe wird in den anderen Leitlinienkommissionen durch die „Steuerungsgruppe“ geleistet, in der hier benannten LL-Kommission wird dies unmittelbar von der Konsensgruppe geleistet, da so die Arbeit für die einzelnen Mitglieder reduziert werden konnte.

Die Leitlinie „Nicht-suizidales Selbstverletzendes Verhalten“ ist konsentiert und liegt den Verbänden vor, die Leitlinie „Suizidalität“ ist weitestgehend abgeschlossen.

Beide sind in der Steuerungsgruppe konsentiert, es fehlt noch die vorgeschriebene Konsentierung durch alle relevanten Verbände, um die Leitlinie zu veröffentlichen.

Die nächste Leitlinie beschäftigt sich mit der „Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen“ und zwar sowohl im Kinder- und Jugendlichen- wie auch im Erwachsenenbereich. Hier besteht eine Steuerungsgruppe, die die bestehenden (internationalen) Leitlinien sichtet und vergleicht. Sie soll auch aktuelle Forschungsliteratur zusammentragen, sichten und auf ihr Evidenzniveau einschätzen. Parallel dazu werden dann die Leitfragen sowie die Kernaussagen zusammengetragen und auch schon erste Textentwürfe zusammengestellt. Hier gibt es mittlerweile den von der Steuergruppe konsentierten Text. Ein Termin für eine Konsentierung durch die großen Verbände ist für Juni anberaumt. Wenn es dabei zu keinen weiteren Verzögerungen kommt, könnte die Leitlinie im letzten Drittel dieses Jahres veröffentlicht werden.

Zur Leitlinie „Angst bei Kindern und Jugendlichen“ hat sich die Steuerungsgruppe zwei Mal getroffen, der dritte Termin wurde (auf unbestimmte Zeit) verschoben. Grund hierfür ist, dass mehrere hundert neue Studien bei der Literatursuche gefunden worden sind, und es bisher in anderen Ländern noch keine aktuelle Leitlinie dazu gibt, so dass wir nicht auf deren Literatureinschätzung zurückgreifen können. Bei vielen Leitlinien schauen wir zunächst auf die Literatureinschätzung durch das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) und die dort erarbeiteten Leitlinien, die extrem sorgfältig erstellt werden, und können uns damit viel Arbeit ersparen. Da dieses Vorgehen im Falle der LL „Angst bei Kindern und Jugendlichen“ also nicht möglich ist,  ist die Steuerungsgruppe verpflichtet, alle diese Studien auf deren wissenschaftliche Qualität hin selbst zu sichten und deren Bedeutung für die Leitlinie einzuschätzen. Dies wird sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da auch die Mitglieder der Steuerungsgruppe sich hier in ihren Einschätzungen (Quadas 2-Verfahren) einigen müssen.

Eine weitere Leitlinienkommission, denen Rudi Merod angehört, beschäftigt sich mit der „Schizophrenie“. Gerade in dieser Kommission ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Fachverband für Psychosenpsychotherapie (DDPP) sehr hilfreich, weil auch dort einiges erarbeitet wird:  Beispielsweise wird versucht, Fragen zu klären wie „Was ist eigentlich unter dem Begriff der Psychosenpsychotherapie zu verstehen? oder „Welche Berufsgruppen sind zu integrieren?“ usw.

Die Leitlinie Depersonalisations-Derealisationssyndrom, die von Seiten der DGVT durch Thomas Heidenreich (stellvertretend Rudi Merod) bearbeitet wurde, ist mittlerweile fertiggestellt und auf der Homepage der AWMF abrufbar. Neben der DGVT waren an der Entwicklung dieser Leitlinie die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) und die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) beteiligt. Die Leitlinie umfasst sowohl Diagnostik als auch Behandlung des deutlich unterdiagnostizierten Depersonalisations-Derealisations-syndroms. Die Leitlinie wird in einer der nächsten VPP-Hefte ausführlich vorgestellt werden.

Die LL Unipolare Depression soll bis Mitte dieses Jahres überarbeitet werden, da ihre Gültigkeit dann abläuft. Die Steuerungsgruppe hat die Konsensusgruppe eingeladen, damit die überarbeiteten Empfehlungen konsentiert werden können. Seit Erscheinen der Leitlinie sind viele neue Forschungsergebnisse veröffentlich worden, die eingearbeitet werden mussten. Dabei wurde auch die Erweiterung der Leitlinie abgestimmt, denn es wurden neue Kapitel (Transkulturelle Aspekte depressiven Verhaltens, Behandlungsaspekte zyklusassoziierter depressiver Störungen bei Frauen) eingefügt. Im Verlauf der Abstimmungen gab es einen Konflikt zwischen den Ärzten und den Vertretern der analytischen Verbände, ob die Evidenzen nur bei den Pharmaka und nicht auch bei den psychotherapeutischen Interventionen benannt werden sollten. Vertreter der analytischen Verbände wollten unbedingt, dass die Evidenzen zur Psychotherapie nicht in die Empfehlungen eingefügt, sondern nur im Hintergrundtext erwähnt werden sollten, da hier ihre Schulenrichtung „schlecht dastehen“ würde. Wie dies nun gehandhabt werden wird, ist noch nicht abschließend geklärt, soll aber in den nächsten Wochen geschehen. Anschließend wird der Text an alle Verbände gesandt, so dass wir nochmals die Gelegenheit haben am „Hintergrundtext“ zu feilen.

Die Leitlinie PTSD wir turnusgemäß überarbeitet. Hier hat sich eine Steuerungsgruppe gebildet, an der Rita Rosner für die DGVT teilnehmen wird. Diese LL wird sicherlich nicht nur um die aktuelle Literatur und den daraus resultierenden Empfehlungen, sondern auch um die leitliniengerechte Behandlung bei Kindern und Jugendlichen ergänzt werden.

Rudi Merod