Obwohl der Bedarf und die Effizienz der Gruppenpsychotherapie ausser Frage stehen, wird Gruppenpsychotherapie in der kassenärztlichen Versorgung kaum durchgeführt - die DGVT unterstützte das nachfolgende Schreiben an die Kassenvertreter:
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Versorgung der Bevölkerung mit Gruppenpsychotherapie ist in großer Gefahr. Die Abrechnungshäufigkeit der Gruppenpsychotherapie nimmt kontinuierlich ab. Das ist in Zeiten der Ressourcenknappheit ein alarmierendes Signal. Dadurch besteht die Gefahr, dass solche Patienten, für die die Gruppenpsychotherapie das Verfahren der Wahl ist, heute schon vielerorts keinen Gruppenpsychotherapieplatz mehr finden.
Die Ursache für diese Entwicklung liegt unseres Erachtens in einer zu geringen Bewertung der Gruppenpsychotherapie im EBM: Während die Relation der Punktzahl für Gruppenpsychotherapie im Vergleich zur Einzelpsychotherapie über Jahrzehnte 1 : 2 betrug, d.h. für Gruppenpsychotherapie wurde die halbe Punktzahl der Einzelpsychotherapie berechnet, wurde diese Relation im Jahr 1987 eklatant geändert. Heute noch beträgt die Relation 450 : 1.450 Punkte, d.h. statt der 1/2 Punktzahl weniger als 1/3. Die Honorierung der Gruppenpsychotherapie ist also heute um 38 % geringer als bis 1987! Wie die Statistiken der KBV darlegen, nimmt seit 1987 die Abrechnungshäufigkeit der Gruppenpsychotherapie extrem ab. Im Jahr 1998 betrug die Relation Gruppenpsychotherapie zu Einzelpsychotherapie nur noch 5/1000 für die tiefenpsychologisch fundierte, 8/1000 für die psychoanalytische und 2/1000 für die Verhaltenstherapie in Gruppen, d.h. nur noch 2 bis 8 von 1000 Therapien waren Gruppenpsychotherapien.
Damit steht die anerkanntermaßen besonders ökonomische und effiziente Gruppenpsychotherapie schon heute praktisch nicht mehr zur Verfügung. Gruppenpsychotherapie kann in der psychotherapeutischen Praxis nicht mehr kostendeckend angeboten werden.
Der neue EBM 2000plus sieht zwar in seiner derzeitigen Form eine Besserstellung der Gruppenpsychotherapie vor. Aber bis zu seinem Inkrafttreten vergehen noch einige Jahre und es ist unsicher, ob die Gruppenpsychotherapie als Kassenleistung bis dahin noch existieren wird. Sicher wird die Gruppenpsychotherapie als Abrechnungsmöglichkeit erhalten bleiben, aber vermutlich wird sie in der Realität weiterhin keine Rolle mehr spielen, weil der Nachwuchs für die Gruppenpsychotherapie aus den genannten Gründen zu versiegen droht.
Wir möchten daher dringend anregen, die Gruppenpsychotherapie schon jetzt, und nicht erst mit der Einführung des neuen EBM, höher zu bewerten. Dass die Gruppenpsychotherapie auch im Falle einer angemessenen Honorierung im Vergleich mit der Einzelpsychotherapie besonders ökonomisch ist, müßte die Entscheidung zu einer sofortigen Höherbewertung dieser Therapieform in der augenblicklichen Lage des Gesundheitswesens sehr erleichtern.
Wir bitten Sie dringend um ein Gespräch und stehen dafür zur Verfügung. Wie Sie der beiliegenden Liste entnehmen können, unterstützen alle großen Verbände dieses Anliegen. Über eine Antwort würden wir uns freuen und verbleiben für heute
mit freundlichen Grüßen
Dr. Heribert Knott
Vorsitzender des BAG
Diesem Schreiben haben sich nachfolgende Verbände angeschlossen:
Liste der Verbände, die das Schreiben des BAG an die Vorstandsvorsitzenden der Krankenkassen vom 29.10.2001 offiziell unterstützen.
AÄGP - Prof. Dr. med. Dr. phil. Wolfgang Tress, Bergische Landstraße 2, 40629 Düsseldorf
AGPF - Anni Michelmann, Richard-Wagner-Straße 44, 53115 Bonn
AVM-D - Rainer Knappe, Dr. Haas-Straße 4, 96047 Bamberg
Berufsverband deutscher Psychiater und Psychotherapeuten, Dr. med. Christa Roth-Sackenheim, Breitestraße 63, 56626 Andernach
bkj - Friederike Wetzorke, Husarenstraße 24, 38102 Braunschweig
BKJPP - Dr. med. Christa Schaff, Stuttgarter Straße 51, 71263 Weil der Stadt
BPM - Dr. med. Herbert Menzel, Landauer Str. 7, 14197 Berlin
bvvp - Norbert Bowe, Schwarzwaldstr. 21, 79199 Kirchzarten
DAGG - 1. Vorsitzender Dr. med. Jörg Burmeister, Besmerstraße 27, CH 8280 Kreuzlingen
DÄVT - Dr. med. Dr. phil. Dipl. Psych. Serge K. D. Sulz, Nymphenburger Straße 185, 80634 München
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie e.V., Berlin, Prof. Dr. med. Ulrike Lehmkuhl
DFT - Gerda Krause, Max-Brauer-Allee 45, 22765 Hamburg
DGAP - 1. Vorsitzender Dr. Lutz Müller, Hirsauer Straße 39, 70569 Stuttgart
DGAPT - Dr. Wolfram Rosendahl, Agnes-Gosche-Straße 41, 06120 Halle
DGfS - Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, Martinistraße 52, 20246 Hamburg
DGIP - Albrecht Stadler, Henrik-Ibsen-Straße , 80638 München
DGPM - Prof. Dr. med. Paul L. Janssen, Kraepelinweg 9, 44287 Dortmund
DGPT - Johannisbollwerk 20, 20459 Hamburg, Dr. med. Dipl. soc. Alf Gerlach, 1. Vorsitzender
DGVT - Dr. Heiner Vogel, Postfach 1343, 72003 Tübingen
DPG - Dr. Michael Krenz, Stubenrauchstraße 12, 14167 Berlin
DPGG - Deutsche Psychologische Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie e.V., Prof. Dr. Jochen Eckert, von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg
DPTV - Dipl. Psych. Karin Flamm, Klemens-Hofbauer-Straße 65, 53117 Bonn
DPV - Dipl. Psych. Jürgen Doebert, Charlottenstraße 82, 72764 Reutlingen
DVT- Dr. Walter Ströhm, Salzstr. 52, 48143 Münster
GMVPP - Wolf Waninger, Speestraße 12. 50937 Köln
GwG - Karl-Otto Hentze, Richard-Wagner-Str. 12, 50674 Köln
VaKJP - Peter Lehndorfer, Tullastraße 16, 68161 Mannheim
Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten - Dipl. Psych. Dieter Best, Riedsaumstraße 4 a, 67063 Ludwigshafen
VPP - Verband psychologischer Psychotherapeuten im BDP, Vorsitzende Dr. Helga Schäfer, Kaiserplatz 3, 53113 Bonn
VIVT - Dipl. Psych. Frank Massow, Pappelstraße 11, 09126 Chemnitz
VPK - Friedrich Neitscher, Alter Markt 12, 53879 Euskirchen