Skip to main content
 
Berufsbild KJP / PP

Psychotherapieausbildung an Klinisch-Psychologischen Instituten der Universitäten

16. Januar 2007

Es ist eine traditionelle Position der DGVT, dass die Psychotherapeutenausbildung eine öffentliche Aufgabe ist, die in den Universitäten erfolgen sollte. Dies soll die enge Anbindung der Ausbildungsinhalte an den wissenschaftlichen Fortschritt sichern und gleichzeitig Gewähr dafür bieten, dass die Kosten der Ausbildung gering gehalten werden.

 

Das Psychotherapeutengesetz vom 16. Juni 1998 hat dieser Position nun wenigstens in Teilen Rechnung getragen, indem sie die Hochschulen an erster Stelle unter den in Frage kommenden Ausbildungsstätten definiert (§ 6 Abs. 1 PsychThG). Während die früheren Vorgaben der Psychotherapierichtlinien gerade die Psychotherapieausbildung durch Hochschulen nicht zugelassen haben, wird dieses nun besonders gewünscht und unterstützt.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) sieht in dieser Entwicklung, trotz mancher Umsetzungsprobleme, auch besondere Chancen für die Institute und empfiehlt in ihrem "Sommerrundschreiben" vom August 2000, diese zu nutzen Rechenschaftsbericht des Präsidenten Rainer H. Kluwe der DGPs für die Amtszeit 1998-2000, in: Sommerrundschreiben der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) vom August 2000, S. 2f. :

"Der Vorstand der DGPs hat stets betont, und er weiß sich in diesem Punkt mit der Fachgruppe 'Klinische Psychologie und Psychotherapie' einig, daß Psychotherapie und die Ausbildung in Therapie an die Psychologischen Universitätsinstitute gebunden bleiben muss! Er spricht sich in diesem Zusammenhang dafür aus, daß die Institute daran interessiert sein sollten, Ambulanzen für Forschung und Lehre sowie für die Therapie-Ausbildung einzurichten.

Die Institute müssen auf neue Strukturen zur Bewältigung dieser Aufgaben vorbereitet sein. Der Vorstand appelliert an die Institute, diese Entwicklung nicht nur zuzulassen, sondern sie auch aktiv zu unterstützen. Es sollte in den Instituten ein Bewußtsein dafür entstehen, daß die alten Strukturen der Klinischen Abteilungen sich notwendigerweise ändern müssen: personell, räumlich und finanziell, weil auf die Verantwortlichen eine große Zahl völlig neuer Aufgaben und Verantwortlichkeiten zukommt.

Mit diesen Veränderungen könnte es Spannungen innerhalb der Institute geben, weil die Abteilungen für Klinische Psychologie größer werden. Neu ist für die Institute auch das Ausmaß, in dem in den Ausbildungssystemen und den Ambulanzen Einnahmen generiert werden. Diese Einnahmen sind notwendig, um die erforderliche Infrastruktur für die Ausbildungs- sowie Lehr- und Forschungsambulanzen zu errichten und zu erhalten. Der Vorstand warnt davor, daß diese Einnahmen Begehrlichkeiten auf Seiten der Universität und der Institutsabteilungen wecken könnten. Wenn schon die Universitäten die entsprechenden Strukturen nicht zur Verfügung stellen können, dann sollten sie zumindest, soweit es sie kein Geld kostet, deren Errichtung aktiv unterstützen, indem sie z.B. die Einrichtung entsprechender Personalstellen erleichtern, Arbeits- und Lehrräume zur Verfügung stellen usw. Andererseits sollten die Ausbildungsinstitute aber auch darauf hinwirken, daß die Kosten für die Auszubildenden in einem adäquaten und vertretbaren Rahmen bleiben.

Der Vorstand sieht die Gefahr, daß die große Chance, die Psychotherapie verstärkt an die Universitäten zu binden, versäumt werden könnte. Bisher dominieren private, nicht im gewünschten Sinne wissenschaftlich orientierte Ausbildungsanbieter in der Psychotherapie. Dies kann sich nur ändern, wenn möglichst viele Universitäten postgraduale Weiterbildungen einrichten, wie es erfreulicherweise gegenwärtig der Fall ist. Dieser Vorgang ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Wenn sich der Einrichtung entsprechender Strukturen innerhalb der Universität zu viele Erschwernisse in den Weg stellen, werden die Ausbildungen bei den privaten Instituten verbleiben oder dorthin zurückwandern, weil sie flexibler operieren können. Es sollte daher das langfristige Interesse der Psychologischen Institute sein, geeignete Strukturen zu schaffen und die postgraduale Ausbildung neu als ihre originäre Aufgabe anzunehmen."