Seelische Gesundheit und ältere Menschen
Das Motto von 2013 – Seelische Gesundheit und ältere Menschen – ist von großer Aktualität. Wir alle wünschen uns, bis ins hohe Alter körperlich und psychisch gesund zu bleiben und ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen. Psychische Erkrankungen bei älteren Menschen nehmen jedoch stark zu: Depressionen, Belastungsstörungen im Rahmen von altersbedingten Krisen sowie Angst- und Persönlichkeitsstörungen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern.
Das Bewusstsein dafür ist in der Öffentlichkeit allerdings noch nicht geschärft. Und auch die Bedarfsplanung für die ambulante Vertragspsychotherapie verschließt sich diesem Befund. Im Gegenteil. Aus der Tatsache, dass ältere Menschen seltener Psychotherapie in Anspruch nehmen, wird geschlossen, dass sie auch weniger Psychotherapie brauchen. Entsprechend wenige Kassensitze werden bereitgestellt.
Dabei hat die seltene Inanspruchnahme vor allem mit Berührungsängsten älterer Menschen im Hinblick auf Psychotherapie zu tun. Darüber hinaus sind auch die Behandler oftmals nicht ausreichend qualifiziert: Es gibt noch wenig Wissen darüber, wie wir mit den üblichen psychotherapeutischen Ansätzen und Methoden den Bedürfnissen und Zielen älterer Menschen gerecht werden.
Um diesen Themenkomplex kümmert sich seit vergangenem Jahr die DGVT-Fachgruppe – Ältere Menschen in der psychosozialen Versorgung. Die Fachgruppe sieht einen großen Bedarf an Fachkräften mit gerontopsychologischer Qualifikation und setzt sich u.a. dafür ein, entsprechende Bausteine in der Psychotherapie-Ausbildung zu platzieren.
Der Tag der Seelischen Gesundheit wurde 1992 durch die „World Federation for Mental Health“ (WFMH) mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. Die World Federation for Mental Health, die auch mit der UNESCO und anderen transnationalen Organisationen aus vielen verschiedenen Ländern kooperiert, ruft zu weltweiten Aktionen auf. Der Welttag wurde initiiert, um auf die Belange von psychisch erkrankten Menschen aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für die Bedeutung psychischer Gesundheit zu schärfen. Psychisches Wohlbefinden ist von grundlegender Bedeutung für die Chancengleichheit und die Lebensqualität der Menschen. Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit, so die Weltgesundheitsorganisation. Die Förderung psychischen Wohlbefindens und die Maßnahmen zur Erhaltung psychischer Gesundheit müssen ein wesentlicher Teil der Gesundheitspolitik sein!
Im vergangenen Jahr beteiligten sich bundesweit rund 40 Orte oder Regionen mit Workshops, Filmvorführungen, Vorträgen, Info-Ständen usw. an der Aktionswoche, die unter dem Motto „Depression – eine weltweite Krise“ stand. Für dieses Jahr haben bereits 35 Orte oder Regionen ihre Teilnahme angekündigt und entsprechende Veranstaltungen vorbereitet, die sich terminlich um den 10. Oktober gruppieren.
Ziel der Veranstaltungen ist es über psychische Krankheiten aufzuklären, Hilfs- und Therapieangebote aufzuzeigen und die Diskussion anzuregen. Außerdem wird der Umgang mit psychisch erkrankten Menschen thematisiert und Informationen für Angehörige, Eltern, Erzieher, Sozialarbeiter und Lehrer angeboten.
Weitere Informationen:
Homepage Woche der Seelischen Gesundheit:
http://aktionswoche.seelischegesundheit.net/
Fachgruppe Ältere Menschen in der psychosozialen Versorgung
Angela Baer, Waltraud Deubert