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Eberhard Göpel

Sommer-Akademie zur Gesundheietsförderung vom 10. bis 13.09.2001 in Magdeburg

22. Februar 2007
 

Anlässlich der ersten "SommerAkademie zur Gesundheitsförderung" haben Expertinnen und Experten für Gesundheitsförderung und Prävention in Magdeburg vom 10. bis 13. September 2001 neue Ansätze einer wirkungsvollen Gesundheitsförderung diskutiert. Dabei wurden auch Vorschläge erörtert, die im Rahmen des von der Bundesgesundheitsministerin Schmidt einberufenen Runden Tisches zur künftigen Gesundheitspolitik eingebracht wurden. Nachdem schon der Sachverständigenrat der konzertierten Aktion im Gesundheitswesen sich mit Nachdruck für eine Verstärkung der Prävention eingesetzt hatte, wird gegenwärtig die Umsetzung der folgenden Maßnahmen geprüft:

  • Die Verständigung auf bundesweite Gesundheitsziele, die durch ein gemeinsames Aktionsprogramm zur Gesundheitsförderung von Bund, Ländern und Gemeinden angestrebt werden.
  • Eine stärkere Mitwirkung in europäischen Netzwerken und Projekten der Gesundheitsförderung und die Entwicklung neuer Studienangebote in Form eines European Masters in Health Promotion.
  • Eine stärkere Gesundheitsorientierung und aktive Beteiligung von PatientInnen in Einrichtungen des Gesundheitswesens.
  • Die Verabschiedung eines Gesundheitsförderungsgesetzes wie in Österreich oder eines eigenen Präventionsgesetzes im Rahmen des Sozialgesetzbuches, in dem die Verantwortungen in diesem Bereich zusammengefasst werden.
  • Die Stärkung lokaler und betrieblicher Projekte der Gesundheitsförderung auch durch neue Finanzierungsformen in Gestalt eines ZukunftsFonds Gesundheit. Durch den Fonds sollen Gemeinschaftsprojekte etwa in Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Verwaltungen sowie Aktivitäten des Gesunde-Städte-Projektes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt werden.

Der Vorschlag, einen öffentlichen Fonds für Gemeinschaftsaktivitäten der Gesundheitsförderung zu errichten, stieß in Magdeburg auf besonderes Interesse. Mit einem Gemeinschaftsfonds, der die Rechtsform einer öffentlichen Stiftung annehmen könnte, würde die Gesundheitsförderung in Deutschland auf eine neue Basis gestellt werden. Die Struktur einer solchen Organisation soll der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland entsprechen und vor allem auf der Ebene der Kommunen wirksam werden. Ziel der gemeindenahen Gesundheitsförderung ist es,

  • soziale Benachteiligungen und höhere Belastungen mit gesundheitlichen Risiken abzubauen,
  • innovative Ideen der örtlichen Beteiligung und Selbstverwaltung (z.B. im Rahmen von Selbsthilfe) zu unterstützen und
  • Bürgerinnen und Bürger an lokalen Gesundheitskonferenzen und Projekten aktiv zu beteiligen.

Darauf aufbauend sollen die Landesvereinigungen für Gesundheit und eine zentrale Bundesinstitution auf der Bundesebene als überregionale Koordinierungsinstanzen genutzt werden, um

  • modellhafte Projekte in ausgewählten Regionen zu erproben und auf ihre Übertragbarkeit hin auszuwerten ("best/good practice transfer"),
  • für einen Ausgleich zugunsten besonders benachteiligter Regionen oder Bevölkerungsgruppen zu sorgen und
  • die Gesamtstrategie an gemeinschaftlich festgelegten Gesundheitszielen auszurichten und diese durch praktische Beiträge im Verbund mit anderen Akteuren zu verwirklichen.

Die Zusammenführung der Mittel der öffentlichen Hand und der Krankenkassen sollte mit einer besseren Koordination von Aktivitäten in den Städten und Gemeinden mit besonderem Handlungsbedarf verbunden werden, wie es zum Beispiel im Rahmen des "Gesunde-Städte"-Projektes geplant wird. Mit einer gemeinsamen Stiftung wäre dem Missbrauch von Krankenkassenmitteln zu Werbezwecken Einhalt geboten, denn Prävention eignet sich nicht zum Wettbewerb der Krankenkassen.

Die "Allianz für Gesundheitsförderung", ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, schlägt in diesem Zusammenhang vor, die Tabaksteuer in Deutschland im Sinne einer Gesundheitssteuer um 10 Prozent zu erhöhen und die dadurch erzielten zusätzlichen Einnahmen des Bundes als Stiftungskapital für den geplanten Fonds zur Verfügung zu stellen. Ein entsprechender Vorschlag der Weltgesundheitsorganisation ist bereits in 16 anderen Ländern realisiert worden und hat dort dazu beigetragen, der Gesundheitsförderung ein stärkeres gesellschaftliches Gewicht zu geben. Die folgenden Vorteile des Gemeinschaftsfonds werden gesehen:

  • Ein öffentlicher ZukunftsFonds Gesundheit kann bei der Vergabe seiner Mittel eine systematische Diskussion über gesundheitspolitische Einwicklungsziele in der Öffentlichkeit etablieren und eine Konsensbildung über wünschenswerte Zukunftsentwicklungen unterstützen.
  • Eine Fonds-Konstruktion, die auch private Beteiligungen, Zuwendungen und Schenkungen für wirkungsvolle Maßnahmen der Gesundheitsförderung honoriert und würdigt, eröffnet eine positive Identifikationsmöglichkeit für Menschen, die bereit sind, für eine ökologisch nachhaltige, solidarische und gesundheitsfördernde Form des Zusammenlebens in ihrem Lebens- und Arbeitszusammenhang auch persönlich zu investieren.
  • Eine Fonds-Konstruktion, die es Menschen mit guten Ideen und Konzepten ermöglicht, diese durch unbürokratische Formen öffentlicher Unterstützung auch zu realisieren, stärkt das öffentliche Engagement und fördert soziale und kulturelle Innovationen.
  • Eine Fonds-Konstruktion, die durch öffentliche Abgaben auf gesundheitsschädliche Produkte deren Verbreitung einschränkt und gesundheitliche Präventionsmaßnahmen unterstützt, erhöht die Glaubwürdigkeit und die Wirkung öffentlicher Gesundheitspolitik.

Strategische Entwicklungsaufgaben

Im Rahmen der SommerAkademie wurden noch die folgenden Entwicklungsaufgaben für eine wirkungsvolle Gesundheitsförderungs-Politik in Deutschland diskutiert:

  • Salutogenese-Orientierung

Erkenntnistheoretische und handlungspraktische Ausarbeitung des Prinzips der Salutogenese-Orientierung für alle relevanten gesellschaftlichen Handlungsbereiche (z. B. Umwelt und Gesundheit, Medien und Gesundheit, Soziale Beziehungen und Gesundheit, Technik-Entwicklung und Gesundheit, Medizinisches Handeln und Gesundheit).

Förderung von systematischen Diskursen, Untersuchungen und modellhaften Entwicklungen.

Dokumentation und Veröffentlichung von "Models of good practice".

Entwicklung von Leitorientierungen für eine salutogenetische Praxis in Einrichtungen des Gesundheitswesens.

  • Professionalisierung der Gesundheitsförderung

Qualifizierung und Professionalisierung im Bereich der Gesundheitsförderung durch Entwicklung geeigneter Bildungsangebote auf allen Stufen des Bildungswesens.

Konzeptionelle Orientierung am WHO-Konzept: Regionale Hochschulen für Gesundheit

  • Anwendungsorientierte Gesundheitsforschung und -berichterstattung

und Ausbau der gesundheitswissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten insbesondere im Bereich einer anwendungsorientierten Berichterstattung und der Bewertung von gesundheitsrelevanten Handlungsfeldern (Health Impact Assessment)

Einrichtung eines Forschungs-Schwerpunktes im Bereich der Gesundheitsforschung des BMB.

  • Modellprogramm Gesundheitshäuser

Systematische Entwicklung von Informations- und Unterstützungsstrukturen für Selbsthilfe-Aktivitäten und bürgerschaftliches Engagement im kommunalen Kontext (unabhängige Gesundheitsinformation und -kommunikation, Kontakt- und Informationsstellen, Gesundheitshäuser, Praxisbüros für Gesundheitsförderung) und für regionale und überregionale Vernetzungsaktivitäten (z. B. Netzwerk Gesundheitsförderung in Schulen, Gesunde Städte etc.)

Bundesweites Modellprogramm Gesundheitshäuser

  • ZukunftsFonds Gesundheitsförderung

Aufbau einer eigenständigen Finanzierungsgrundlage für gemeinwohlorientierte Aktivitäten der Gesundheitsförderung durch subsidiär vernetzte Fonds-Bildungen auf der lokalen, regionalen und nationalen Ebene (ZukunftsFonds Gesundheitsförderung)

  • Allianz für Gesundheitsförderung in Deutschland

Unterstützung einer organisations- und berufsgruppenübergreifenden "Allianz für Gesundheitsförderung" zur wirkungsvollen Koordination von Maßnahmen zur Umsetzung des Aktionsprogramms und zur Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik.

Einzelne Beiträge zur SommerAkademie sind im Internet unter www.sgw.hs-magdeburg/ sommerakademie/doku.html abgelegt und einsehbar.

Ausführlicher diskutiert wurden auch neue Qualifizierungsangebote zur Professionalisierung der Gesundheitsförderung in Deutschland.

Das Projekt "Hochschulen für Gesundheit", das vom BMBF für die Entwicklung multimedialer Studienmaterialien gefördert wird, wird ab März 2002 mit zwei innovativen bundesweiten Studienangeboten beginnen:

  • Kooperative Weiterbildung "Gemeindebezogene Gesundheitsförderung"

In diesem 18-monatigen Kurs erhalten lokale Studiengruppen eine Einführung in gesundheitswissenschaftliche Grundlagen der Gesundheitsförderung, Methoden des Projektmanagements für lokale Vernetzungsprojekte und Möglichkeiten zu Hospitationen und zur Praxisreflexion. Beginn ist im April 2002.

  • Postgraduales Fernstudium "Health Promotion and Sustainability in Europe (EUMAHP)"

Dieses interdisziplinäre postgraduale Zusatzstudium mit dem Abschluss eines "European Master in Health Promotion (M. A.)" wird in einem europäischen Hochschul-Verbund durchgeführt und von der EU-Kommission gefördert.

Es beginnt im März 2002 an der Hochschule Magdeburg-Stendal und dauert 5 Semester (einschl. eines vergleichenden Forschungsprojektes und eines Auslandssemesters).

Auskünfte zu beiden Studienprogrammen sind zu erhalten beim
Projekt "Hochschulen für Gesundheit" an der Hochschule Magdeburg-Stendal
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen
Breitscheidstr. 2, 39114 Magdeburg
0391-886 4713, email: hsgesund@sgw.hs-magdeburg.de

Dort sind demnächst auch Informationen zur SommerAkademie 2002 abrufbar, die vom 22. - 25.8.2002 wieder in Magdeburg stattfinden wird.