Verbändeveranstaltung der KBV zum neuen EBM
In gewisser Weise war diese Veranstaltung allerdings schon überholt, da einige Tage zuvor am 8.12.01 der EBM-Entwurf mit großer Mehrheit von der KBV-Vertreterversammlung abgelehnt wurde.
Zwar wurde schon in der Vertreterversammlung vereinbart, den EBM-Entwurf zu überarbeiten, wobei Struktur, Inhalt und Leistungsbeschreibung weitgehend beibehalten werden sollen, doch sollen auch - damit es so richtig spannend wird - indikations-, diagnose-, symptom- und ablaufbezogene Komplexe gebildet werden. Weiterhin sollen die Leistungsbewertungen auf betriebswirtschaftlichen Kalkulationen basieren usw., usw., doch zeigt sich an diesen lobenswerten Vorsätzen zur Modifikation des EBM keineswegs das Kernproblem. Viele Blätter stellen noch keinen Baum dar, sondern können auch lediglich Laub sein, das sicherlich für sich genommen seinen ästhetischen Reiz hat.
Die wesentliche, von keiner Behandlergruppe akzeptierte Änderung im vorliegenden mit den Krankenkassen abgestimmten EBM-Entwurf war bekanntlich die Herabsetzung der Punktzahlen für nahezu alle Leistungen. Bei den Psychotherapeuten fiel diese mit etwa 20 Prozent besonders hoch aus. Ausgangspunkt für die Reduktion der Punktzahlen war die Definition eines Punktwertes von 10 Pfennigen. Dass die Psychotherapeuten besonders stark von der Punktzahlkürzung betroffen waren, wurde mit dem schlechten Abschneiden der Psychotherapeuten beim Faktor Produktivität begründet.
Von den meisten der anwesenden Verbandsvertreter wurde nochmals die Kritik am neuen EBM-Entwurf vorgetragen. Fast jede Behandlergruppe fühlte sich benachteiligt bzw. zu wenig berücksichtigt. Die vorgetragenen Argumente waren durchaus nachvollziehbar. Insgesamt zeigte sich aber wiederholt das eigentliche Dilemma: Am Gesamtvolumen des zu verteilenden Budgets ändert sich nichts. Oder mit einem Paradigma aus der Landwirtschaft zu sprechen: Wie der Bauer seinen Misthaufen auch wenden und schichten mag, es wird nicht mehr Mist, sondern bleibt immer derselbe Misthaufen.
Eine Erhöhung des Punktwertes muss durch eine Reduktion der Punktzahl kompensiert werden. In der Vergangenheit wurde des öfteren mit Erhöhungen der Punktzahlen operiert, was andererseits mit einem Verfall des Punktwertes bezahlt werden musste. Menge und Punktwert verhalten sich in einem geschlossenen System wie kommunizierende Röhren. So erwiderte Herr Baumgärtner von der KBV-Führung die besorgte Frage des Kollegen Doebert vom bvvp folgerichtig, ob denn der Punktwert von 10 Pfennigen (5 Cent) auch stabil bleiben werde, mit der Antwort, dies hänge von der Disziplin der Mengenbegrenzung in dem jeweiligen KV-Gebiet ab! Die Punktwertentwicklung bleibt eben mehr oder weniger offen und kann durchaus weiter nach unten verfallen, wenn die regionalen KV'en keine geeigneten Maßnahmen ergreifen. Die Konsequenz wäre dann eine Reduktion des Punktwertes bei zugleich herabgesetzter Punktzahl. Die Honorarentwicklung wäre dann ruinös zu nennen.
Sogleich wurde folglich problemlösungsbestrebt der Ruf nach festgelegten Beträgen in D-Mark bzw. in Euro für jede Leistung durch die Teilnehmer laut. Aber, Pech gehabt! Die Gesetzeslage des SGB mache dies nicht möglich, erwiderten die führenden Fachleute der KBV, die es nun schließlich wissen müssen! Also sollte man eher eine enge Mengenbegrenzung zur Verhinderung der Punktwertabsenkung anstreben, wurde von der KBV-Führung vorgeschlagen (Hess). Die Konsequenz wäre allerdings, dass das Angebot für die Patienten verringert würde, was sich aber auch als Druckmittel gegenüber der Politik auswirken könnte, denn diese ist es ja, die den Deckel des Budgets zuhält!
Nach dem Ablehnungsdesaster in der KBV-Vertreterversammlung vom Samstag, den 8.12.01, schlagen die KBV-Bosse nun vor, dass mit jeder Behandlergruppe ein eigenes Kapitel im EBM erarbeitet werden soll. Die KBV-Führung (federführend Herr Köhler) will zur Erarbeitung der EBM-Kapitel Anfang des Jahres 2002 an die Verbände herantreten. Hintergedanke wird sein, dass nun die Funktionäre der Verbände mehr in die Verantwortung gezwungen werden als zuvor. Die KBV-Führung ist es sicherlich auch leid, sich nach jeder Ausarbeitung eines neuen EBM-Entwurfes das allgemeine Mosern des Volkes Israel anhören zu müssen. Herr Köhler bat sich jedoch aus, da der Verbände der Psychotherapeuten zu viele wären, ihn möglichst nur mit dem beratenden Fachausschuss zu belasten, was bei konkurrierenden PT-Verbänden durchaus milden Widerspruch hervorrief.
Dipl.-Psych. Werner Lemisz
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