Zur Situation des Ärzteforums
Das ÄF versteht sich selbst als Alternative, zumindest als notwendige Ergänzung zur Ständigen Konferenz ärztlicher Psychotherapieverbände (STÄKO), über die die rein ärztlichen Psychotherapieverbände ihre Interessenlagen abstimmen.
Zu den im Ärzteforum zusammengeschlossenen psychotherapeutischen Verbänden gehört der Berufsverband der approbierten Gruppenpsychotherapeuten (BAG), der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), die Deutsche Gesellschaft für analytische Psychologie (DGAP), die Gesellschaft für Individualpsychologie (DGIP), die deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG), die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV), die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendpsychotherapeuten (VAKJP) und die DGVT. Die Geschäftsführung des ÄF teilen sich die beiden Verbände mit den meisten Ärztlichen Psychotherapeuten im ÄF, der bvvp und die DGPT.
Nachdem insbesondere in den Bereichen Weiterbildungsordnung sowie Abrechnung und Vergütung gemeinsame Initiativen in den politischen und sozialrechtlichen Raum möglich waren, ist dies im Hinblick auf notwendige gemeinsame Wahlvorschläge bei der Neubesetzung von Gremien, aktuell dem beratenden Fachausschuss Psychotherapie bei der KBV, leider nicht gelungen.
Die Vorschläge für die Ärztebank im Fachausschuss Psychotherapie bei der KBV werden von der Fachärztefraktion der Delegierten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gemacht, die ihrerseits in der Vergangenheit die Vorschläge von der STÄKO übernommen hat. Wenn von dieser Seite ein einheitlicher Vorschlag kommt, hat die Vertreterversammlung der KBV dem in der Vergangenheit immer zugestimmt. Ziel des Ärzteforums war es nun, eigene Vertreter auf die Ärztebank dieses Fachausschusses zu bekommen. Dies ist nur möglich in Abstimmung oder in Konkurrenz mit der STÄKO. So fand am 1.2.2004 in Frankfurt ein Abstimmungsgespräch mit einzelnen Vertretern der STÿKO statt, um den Spielraum für eine gemeinsame Liste auszuloten.
Auf der letzten Sitzung des Ärzteforums ist eine Konsensbildung nicht gelungen, da es unterschiedliche Positionen gab im Hinblick auf das Aufstellen einer eigenen Kandidatenliste durch das Ärzteforum, was die DGVT sehr bedauert.
Das ÄF bietet die Möglichkeit, sich gestärkt durch die anderen gemischten Verbände aus einem integrativen Ansatz heraus in die Weiterentwicklung ärztlicher Psychotherapie einzuschalten. Die jüngste Entwicklung hat allerdings erneut gezeigt, wie schwierig das ist. Schließlich gilt es nicht nur, die Gräben zwischen Ärzten und Psychologen zu überwinden und damit zwischen ärztlichen und gemischten psychotherapeutischen Verbänden, sondern auch zwischen verschiedenen Schulen, Einzel- und Gruppenpsychotherapeuten, niedergelassenen und institutionell gebundenen Psychotherapeuten und unterschiedlichen regionalen Bedürfnissen.
Die DGVT hat sich über ihren Vertreter im Ärzteforum bemüht, über die reine berufspolitische Interessenvertretung hinaus fachliche und versorgungsrelevante Fragen einzubringen. Schließlich kann die wirtschaftliche Stärkung insbesondere niedergelassener ärztlicher wie psychologischer Psychotherapeuten sich nur rechtfertigen, wenn die Verantwortung für eine umfassende Versorgung von psychotherapiebedürftigen Patienten konzeptionell verankert wird. Der im klinischen Bereich sicher existentiell weniger bedrohte Psychiater und Psychotherapeut kann sich bei der Betrachtung der geschilderten Ereignisse des Eindrucks nicht erwehren, dass im Strom allgemeiner Marktorientierung auch hier die Angebotsorientierung gegenüber einer Bedarfsorientierung zu stark überwiegt. Das schadet nicht nur der Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland. Es führt auch zu einer Vereinzelung von subjektiven Interessenlagen, die eine an einem gemeinsamen übergeordneten Ziel orientierte Vorgehensweise zum Wohle aller Beteiligten blockiert.