6. Psychosoziale und psychotherapeutische Versorgung älterer Menschen
Ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen sehen sich mit besonderen Hürden im Zugang zu Hilfsangeboten konfrontiert. Pandemiebedingte Ausfälle von physischen Sitzungen trafen sie oft schwerer, da das Format der Videosprechstunde hier nur bedingt genutzt werden konnte. Neue Behandlungsformate, die insbesondere durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen entstehen, müssen daher unbedingt an die besonderen Bedarfe älterer Menschen angepasst werden. Auch Hausbesuche müssen durch eine angemessene Finanzierung sichergestellt werden, da ältere Menschen häufig weniger mobil sind. Nicht zuletzt bedarf es bei der Behandlung älterer Menschen aufgrund bestehender Komorbiditäten einer besonderen Abstimmung und Vernetzung unter den Leistungserbringern, die auch entsprechend vergütet werden muss. In diesem Zuge sollte auch die Kooperation zwischen niedergelassenen Psychotherapeut*innen, Pflegeeinrichtungen und weiteren relevanten Akteur*innen unbedingt gestärkt werden.
Psychische Erkrankungen sind gerade bei älteren Menschen noch immer mit einem starken Stigma behaftet. Frühere Geschlechterrollen, aber auch ein Leben im auf Konkurrenzkampf und maximalen Sozialstatus angelegten kapitalistischen Wirtschaftssystem spielen dabei eine Rolle. Es kommt darauf an, psychische Gesundheit zu fördern und auch psychische Erkrankungen und subpathologische Probleme als normalen Bestandteil des Lebens anzuerkennen und nicht als individuelles Versagen anzusehen. Die Bedarfsplanung muss wie oben beschrieben auch für die Versorgung älterer Menschen angepasst und die Zahl der Kassensitze erhöht werden. Nicht zuletzt braucht es mehr spezialisierte gerontopsychologische und -psychotherapeutische Angebote, die etwa auch bei leichter Demenz und altersspezifischen depressiven Symptomen in der häuslichen und stationären Umgebung helfen können.
Nach unseren Recherchen werden ältere Menschen tendenziell weniger professionell psychosozial und psychotherapeutisch versorgt. Das hat unterschiedliche Gründe: Psychische Erkrankungen können durch körperliche Erkrankungen überlagert werden. Oder die Symptome werden von den Betroffenen oder Begleitenden als Ausdruck des normalen Alterns angesehen. Hinzu kommt, dass psychische Erkrankungen im höheren Alter schwierig zu diagnostizieren sind. Deshalb setzen wir uns für ein insgesamt besseres Gesundheitssystem ein, das wir als leistungsfähige Bürgerversicherung ausgestalten wollen. Wir wollen einen besseren Zugang zu psychosozialen und psychotherapeutischen Angeboten. Das seelische Wohl aller Bürger*innen ist so wichtig wie die materielle Versorgung. Nicht erst die Corona-Pandemie hat Einsamkeit als eine große gesellschaftliche Herausforderung deutlich sichtbar gemacht. Wir werden ihr auf den verschiedenen Ebenen entgegenwirken.
Informationen und weiterführende Links:
|